Die NZZ am Sonntag titelte wieder einmal reisserisch.
Macht Fernsehen dick, dumm oder asozial? Während die Experten noch streiten, ist es für die Gesellschaft der Schweizer Kinderärzte keine Frage mehr. Über sieben Stunden TV-Konsum pro Woche schade der körperlichen und psychologischen Entwicklung von Jugendlichen, warnen sie in der neuen Auflage ihres quasioffiziellen Schweizerischen Gesundheitshefts.
Grundsätzlich finde ich die Warnung, 7 Stunden Fernsehen pro Woche sind genug, durchaus sinnvoll! Jedoch stört mich die undifferenzierte Panikmache, mehr schade der körperlichen und psychologischen Entwicklung; ohne dass die Kinderärzte einen wissenschaftlichen Befund hierzu liefern können. Sinnvoller wäre m.E. eine Aussage wie: "Für eine gesunde und natürliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen empfehlen wir einen maximalen Bildschirm-Konsum von ca. 1 Stunde täglich bzw. 7 Sunden pro Woche!" Natürlich müsste bei einer solchen Empfehlung auch die jeweilige Situation und das Alter der Kinder und Jugendlichen in Betracht gezogen werden. Mittlerweile konsumieren Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von Bildschirm-Medien (Computer, Handy, Fernseher, Playstation bzw. Gameboy); daher scheint mir eine Empfehlung zu einem massvollen Bildschirm-Konsum hilfreicher zu sein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Jugendliche inzwischen weit länger andere Bildschirmmedien konsumieren als das Fernsehen.
Bis zum dritten Lebensjahr sollen Kinder überhaupt nie fernsehen, unterstreicht die Genfer Kinderärztin Nicole Pellaud, die zusammen mit zwei Deutschschweizer Berufskollegen für die Redaktion des Hefts besorgt war.
Eine solche Aussage ist sicherlich nachvollziehbar, nur zielt sie leider an der Realität vorbei! Vermutlich wird es bei vielen Familien abends so zu und her gehen, wie bei uns Zuhause: Spätestens dann, wenn auf dem Kinderkanal (KIKA) um 18:40 die Sendung "Beutolomäus kommt zum Weihnachtsmann" läuft, lässt sich auch unser Jüngster (2.5 Jahre alt) nicht mehr vom Fernseher fernhalten. Natürlich gäbe es Alternativen: Entweder ein Fernseh-Verbot für alle Kinder aussprechen oder das Geschrei des Jüngsten ertragen, weil er als Einziger das dritte Lebensjahr noch nicht erreicht hat und deshalb auch nicht Fernsehen darf. Auch hier scheint es mir sinnvoller, die Eltern von Kleinkindern auf einem massvollen Fernsehkonsum hinzuweisen, anstatt ein generelles Verbot auszusprechen. Sinnvoll und massvoll scheint mir für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, ein Fernsehkonsum von täglich ca. 30 Minuten zu sein. Bei uns Zuhause wird der Fernseher von den Kindern frühestens um 18:15 für die Sendung "Simsala Grimm" in Betrieb gesetzt, anschliessend folgt die oben erwähnte Sendung "Beutolomäus kommt zum Weihnachtsmann" und machmal - oh Schreck - kommt es sogar vor, dass die Kinder noch bis 19:00 "Unsere Sandmännchen" gucken. Bislang konnte ich allerdings bei unseren vier Kindern (8 Jahre, 6 Jahre, 4 Jahre und 2.5 Jahre) noch keine körperlichen und psychologischen Schäden als Folge von übermässigem Fernsehkonsums feststellen. Beim Jüngsten ist sogar so, dass er von alleine das Fernsehzimmer verlässt, wenn die Grossen mal zeitlich länger gucken. Erfreulicherweise wissen auch die Grossen, wann genug ferngeguckt ist und schalten geflissentlich den Fernseher spätestens um 19:00 selbständig aus.