SCIL-Workshop: E-Assessment und E-Portfolio - halten sie, was sie versprechen?

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Prof. Dr. Sabine Seufert vom SCIL (Swiss Centre for Innovations in Learning) der Universität St. Gallen (CH), eröffnet den 2. Workshop der Workshopserie "Ne(x)t Generation Learning" mit einigen spannenden Aussagen und Zahlen zu den neuen Lernenden, der Net Generation. Anschliessend wird in diesem Workshop das Thema E-Assessment und E-Portfolio - halten sie, was sie versprechen? von diversen Referenten beleuchtet. Der Workshop war von rund 20 ExpertInnen aus der eLearning-Bildungsszene verschiedener Schweizer Hochschulen und Universitäten gut besucht und liess in den Pausen viel Raum für Austausch und Networking. Nachstehend meine Notizen.

E-ASSESSMENT

Prof. Dr. Karsten D. Wolf von der Universität Bremen (D) hat ein spannendes Referat zum Thema E-Assessment: Organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen gehalten. Derzeit sind die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen für E-Testing bzw. E-Assessment enorm und lohnen sich vermutlich nur für grosse Institutionen mit "Massen-Prüflingen". Ich frage mich, warum solche E-Assessments nicht auch von Zuhause geschrieben werden können. Natürlich besteht dann die Gefahr, dass nicht nur eine Person, sondern Gruppen oder Teams, das Assessment bzw. die Prüfung lösen. Vielleicht gibt es künftig aber Systeme, die solches unterbinden bzw. neue Formen von Prüfungen ermöglichen. Wichtig ist mir, dass man E-Assessment / E-Testing nicht an E-Portfolios misst; beide Konzepte haben für alle Akteuere andere Funktion.
Forschungsfragen zum E-Assessment:
- Wie kann man Multiple Choice Fragen so gestalten, dass sie vertieftes Lernen erfordern (und nicht reines Auswendiglernen)?
- Ermöglicht die Einbindung multimedialer Elemente eine Qualitätsverbesserung der Fragen?
Mögliche Vorteile von E-Assessment:
- Tests zu komplexen Handlungskompetenzen werden in den Lehr-LernProzess integriert.
- Transfer wird durch authentische Aufgaben erleichtert.
- Erreichen eines Kompetenzlevels kann beim Lernen und Arbeiten erreicht werden.
- Keine speziellen Prüfungen mehr notwendig.
Das folgende Referat Einsatz von E-Assessment im Unternehmen am Beispiel des Schweizer Verband der Raiffeisenbanken von Torsten Maier, Verband der Raiffeisenbanken, St. Gallen, sowie der Input Praktische Anwendung von E-Assessment im Hochschulbereich: Elektronische Prüfung im Fach Allgemeine Pathologie (Veterinärmedizin) von Prof. Dr. Andreas Pospischil, Direktor des Institut für Veterinärpathologie an der Universität Zürich, lieferten weitere Einblicke in die Praxis des E-Assessments.


E-PORTFOLIO

Das Referat E-Portfolio - Möglichkeiten und Herausforderungen von Mag. Sandra Schaffert, Salzburg Research Forschungsgesellschaft, bot einen guten Überblick zum Thema. In den Folien von Frau Schaffert findet sich als Beispiel auch ein ePortfolio-Blog (Antia) aus unserer Vorstudie ePortfolio.

Im Fokus: Entwicklung von Kompetenzen:
Die Erreichung dieses Ziels erfordert zunächst ein verändertes Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden, das den Lernenden mehr Aktivität, Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit im Lernprozess einräumt und den Lehrenden vorrangig unterstützende Funktionen, wie die Begleitung, Unterstützung und Reflexion von Lernprozessen zuweist.
Quelle: Achatz/Tippelt 2001.
E-Portfolio (SRFG Definition)
Eine digitale Sammlung von „mit Geschick gemachten Arbeiten“ einer Person (=lat. Artefakte), die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchte. Die betreffende Person hat die Auswahl der Artefakte selbstständig getroffen, und diese in Bezug auf das Lernziel selbst organisiert. Sie (Er) hat als Eigentümer(in) die komplette Kontrolle darüber, wann und wie viel Information aus dem Portfolio einsehen.
„E“ Mehrwert:
Dokumentation, Speicherung, Verlinkung, Austausch, ...
Verwandte Konzepte und Begriffe:
- Lerntagebuch
- Authentic Assessment
- Personal Development Planning (PDP)
- Personal Learning Environment (PLE)
- Personal Learning Landscape
- Social E-Portfolio
Beweggründe bei der Einführung von E-Portfolios
- Didaktik
- Institution
- Bildungspolitik

Mögliche Zielsetzungen auf didaktischer Ebene:
- Selbststeuerung und Reflexion des Lernens
- Subjektorientierung (Personal Development Planing)
- Dokumentation von Entwicklung: Prozess statt Ergebnisorientierung
- Kompetenz- und Handlungsorientierung statt Wissensorientierung
- authentische Bewertungsverfahren
- vereinfachtes Handling, Dokumentation, Speicherung durch technologische Unterstützung
- sozialer Austausch und Bildung von Lern- und Wissensgemeinschaften
- (neue) Wertschätzung von Lernern (Kompetenzen, die man nicht kannte), Kontaktintensivierung

Mögliche Zielsetzungen auf der Ebene der Institutionen
- Wandel der Organisation und Lernkultur
- administrative Unterstützung von Bildungsprozessen
- Verbesserung der Lehre und ständige Evaluation (durch Rückmeldung der Studenten)
- flexible Studienplanung
- Nutzung von neuen Medien intensivieren (E-Portfolio als trojanisches Pferd)
- damit verbunden (siehe Universität Helsinki): Zahl der Studienabgänger zu vergrössern, Zahl der studienabbrecher zu verringern, Studiendauer zu verkürzen, bessere Vermittlung in Arbeit

Mögliche Zielsetzungen auf bildungspolitischer Ebene
- Integration von Lernräumen (formal / informell)
- Benachteiligungsförderung (Patchworkbiographien, Fehlen formaler Abschlüsse, Migrationshintergrund)
- Technologische Unterstützung von Lernen und bei Übergängen (Schule, ausbildung, Beruf)
Grenzüberschreitender Qualifikationsnachweis (und Mobilität)
Herausforderungen: Didaktik

Portfolio benötigt eine konstruktivistische Pädagogik, die folgendermassen charakterisiert ist:
- Möglichkeiten, um das Lernen zu analysieren
- Erleicherung des Lernens durch Lehrer, Gruppen- und partnerarbeiten
- Dialoge zwischen Lehrenden und Lernenden über das Lernen;
- Verfgbare Unterstützung und Zusammenarbeit
Quelle: Klenowski, Val (2000).

Herausforderung: Didaktik - LernerIn
- Motivation: E-Portfolios müssen für den Lerner Bedeutung haben, damit sie auch genutzt werden: Kosten - Nutzen - Überlegung (Nutzen wird erhöht, wenn Anerkennung wie ECTS-Punkte, Schein und/oder Publikum wie Gutachter, Peers, Eltern, potentielle Arbeitgeber und(oder Lehrkörper auch das System aktiv nutzen).
- Lernkompetenz und -verhalten: gezielte Schulung und Unterstützung notwendig (evt. auch durch Templates)

Herausforderung: Didaktik - Lerninhalte
- Vorgaben des Curriculums, bildungspolitische Vorgaben
- stoff- und fachspezifische Eignung für Portfolios beachten

Herausforderung: Didaktik - LehrerIn
- Motivation: E-Portfolios müssen für den Lernenden Bedeutung
haben, damit sie auch genutzt werden, Kosten-Nutzen-Überlegung.
(Nutzung wird erhöht, wenn Anerkennung der Einarbeitung und Nutzung
(Arbeitszeit) und/oder Weiterbildung)
- Lehrkompetenz und -verhalten: Vom Lehrenden zum Tutor, Coach, Berater.
- Klare Vereinbarungen, z.B. regelmäßiges Feedback
- Auswertungskompetenz: authentische Aufgabenstellung und
beurteilung
Herausforderung: Strategie - Einführung
Fragen, die sich Bildungseinrichtungen stellen sollten:
- Was ist, wenn nichts passiert?
- Warum jetzt?
Mögliche Argumente:
- Kompetenzen von Bedeutung
- die Welt ändert sich (“E-Generation“)
- nicht zuletzt: PR
Wichtig: Unterstützung von aussen und innen

Die gesamte Präsentation E-Portfolio - Möglichkeiten und Herausforderungen zum Download als PDF.

URL: http://eportfolio.salzburgresearch.at

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Kommentare

2006-11-29 22:42:37
Merci für die Powerpoint Folien von Frau Schaffert, dann kann ich ja den Vortrag mal nachlesen ;-)

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